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Tech-Deep-Dive20. November 2025Solavia Procure Vision Team

Predictive Pricing: Von Bauchgefühl zu datenbasierten Entscheidungen

Wie funktioniert Predictive Pricing? Welche Daten fließen ein? Wie werden Prognosen erstellt? Ein Tech-Deep-Dive in die Zukunft der Preisprognosen.

Predictive Pricing: Von Bauchgefühl zu datenbasierten Entscheidungen

Traditionelle Preisentscheidungen basieren auf Erfahrung, Intuition und "Bauchgefühl". Predictive Pricing nutzt KI, historische Daten und Marktanalysen, um datenbasierte Preisprognosen zu erstellen – und damit bessere Beschaffungsentscheidungen zu treffen.

In diesem Tech-Deep-Dive zeigen wir, wie Predictive Pricing funktioniert, welche Daten einfließen und wie Prognosen erstellt werden.

Das Problem: Bauchgefühl vs. Daten

Traditionelle Preisentscheidungen

  • Basis: Erfahrung, Intuition, "Bauchgefühl"
  • Problem: Subjektiv, fehleranfällig, nicht skalierbar
  • Beispiel: "Ich denke, der Preis wird steigen" – ohne Datenbasis

Predictive Pricing

  • Basis: Historische Daten, Marktanalysen, KI-Modelle
  • Vorteil: Objektiv, präzise, skalierbar
  • Beispiel: "Basierend auf 25 Jahren Daten: Preis steigt um 2,3% in nächsten 12 Monaten (Konfidenz: 85%)"

Wie funktioniert Predictive Pricing?

1. Datensammlung

Interne Daten:

  • Historische Beschaffungspreise (letzte 5-10 Jahre)
  • Bedarfsmengen und -frequenzen
  • Lieferanten-Performance
  • Saisonalität und Trends

Externe Daten:

  • Marktpreise (Börsen, Indizes, Marktplätze)
  • Wirtschaftsindikatoren (BIP, Inflation, Zinsen)
  • Geopolitische Faktoren (Kriege, Handelskonflikte)
  • Wetterdaten (für saisonale Warengruppen)
  • Rohstoffpreise (für verarbeitete Produkte)

Beispiel: Kabelpreise

  • Interne Daten: 4.536 historische Preisdatenpunkte (2001-2025)
  • Externe Daten: LME-Preise, Wirtschaftsindikatoren, Geopolitik
  • Ergebnis: 12-Monats-Prognose mit Konfidenz-Levels

2. Datenanalyse

Zeitreihenanalyse:

  • Trend-Erkennung (steigend, fallend, stabil)
  • Saisonalität (jahreszeitliche Muster)
  • Volatilität (Preisschwankungen)
  • Zyklen (wiederkehrende Muster)

Korrelationsanalyse:

  • Welche Faktoren beeinflussen den Preis?
  • Wie stark ist der Zusammenhang?
  • Welche Faktoren sind am wichtigsten?

Beispiel: Kabelpreise

  • Trend: Aufwärtstrend seit 2020 (+68% über 25-Jahres-Durchschnitt)
  • Saisonalität: Höhere Preise im Frühjahr (Bau-Saison)
  • Korrelation: Kupferpreise (LME) korrelieren zu 0,92 mit Kabelpreisen
  • Volatilität: Erhöhte Volatilität in Krisenzeiten

3. Modell-Erstellung

Lineare Regression:

  • Einfache Trend-Prognosen
  • Geeignet für stabile, lineare Entwicklungen

Zeitreihenmodelle (ARIMA, LSTM):

  • Komplexe Muster (Saisonalität, Zyklen)
  • Geeignet für volatile, nicht-lineare Entwicklungen

Ensemble-Modelle:

  • Kombination mehrerer Modelle
  • Höhere Genauigkeit durch Diversifikation

Beispiel: Kabelpreise

  • Methode: Lineare Regression über letzte 12 Monate
  • Input: Monatliche Durchschnittspreise (Kupfer, Aluminium)
  • Output: Prognose für nächste 12 Monate mit Konfidenz-Levels

4. Validierung und Anpassung

Backtesting:

  • Modell auf historische Daten anwenden
  • Prognose-Genauigkeit messen
  • Modelle vergleichen

Kontinuierliche Anpassung:

  • Neue Daten fließen ein
  • Modelle werden aktualisiert
  • Prognosen werden präziser

Beispiel: Kabelpreise

  • Backtesting: Modell auf 2020-2024 Daten angewendet
  • Genauigkeit: Durchschnittliche Abweichung: ±3%
  • Aktualisierung: Wöchentlich mit neuen Marktdaten

Beispiel: Kabelpreis-Prognose 2025-2026

Datenbasis

  • 4.536 historische Preisdatenpunkte (2001-2025)
  • 25 Jahre kontinuierliche Daten
  • Wöchentliche Updates (Meinhart Kabel Österreich)

Analyse

  • Trend: Aufwärtstrend seit 2020
  • Korrelation: Kupfer 60%, Aluminium 20%
  • Volatilität: Erhöht in Krisenzeiten

Prognose

  • Q1 2026: +0,6% (Konfidenz: Hoch)
  • Q2 2026: +0,6% (Konfidenz: Mittel)
  • Q3 2026: +0,6% (Konfidenz: Niedrig)
  • Q4 2026: +0,6% (Konfidenz: Niedrig)

Gesamtanstieg 2026: +2,3% gegenüber Dezember 2025

Limitationen und Risiken

1. Datenqualität

  • Problem: "Garbage in, garbage out" – schlechte Daten führen zu schlechten Prognosen
  • Lösung: Datenqualitätsmanagement, Validierung, Bereinigung

2. Unvorhersehbare Ereignisse

  • Problem: Geopolitische Krisen, Naturkatastrophen, Pandemien können Prognosen stark beeinflussen
  • Lösung: Szenario-Analysen, Risiko-Bewertung, menschliche Überwachung

3. Modell-Überanpassung

  • Problem: Modell passt sich zu stark an historische Daten an → schlechte Prognosen für Zukunft
  • Lösung: Cross-Validation, Regularisierung, Ensemble-Modelle

4. Konfidenz-Levels

  • Problem: Langfristige Prognosen (7-12 Monate) haben niedrige Konfidenz
  • Lösung: Klare Kommunikation von Unsicherheiten, Szenario-Planung

Best Practices

1. Transparenz

  • Klare Kommunikation: Wie funktioniert das Modell? Welche Daten fließen ein?
  • Limitationen offenlegen: Was kann das Modell nicht? Wo sind Unsicherheiten?
  • Nachvollziehbarkeit: Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein

2. Kontinuierliche Verbesserung

  • Neue Daten: Regelmäßig neue Daten einfließen lassen
  • Modell-Updates: Modelle regelmäßig aktualisieren
  • Feedback-Loop: Prognose-Genauigkeit messen und verbessern

3. Mensch bleibt Entscheider

  • KI gibt Empfehlungen: Mensch entscheidet
  • Übersteuerung möglich: Mensch kann KI-Empfehlungen übersteuern
  • Ethik bleibt menschlich: Ethische Entscheidungen können nicht automatisiert werden

ROI von Predictive Pricing

Beispiel: Einsparung durch optimale Beschaffungszeitpunkte

Ein Unternehmen beschafft jährlich 1 Mio. EUR an Materialien:

Ohne Predictive Pricing:

  • Beschaffung zu zufälligen Zeitpunkten
  • Durchschnittspreis: 100 EUR (Basis)
  • Jährliche Kosten: 1.000.000 EUR

Mit Predictive Pricing:

  • Beschaffung zu optimalen Zeitpunkten (wenn Preise niedrig sind)
  • Durchschnittspreis: 95 EUR (-5%)
  • Jährliche Kosten: 950.000 EUR
  • Einsparung: 50.000 EUR pro Jahr

ROI: Bei Investition von 20.000 EUR in Predictive Pricing → ROI: 250% im ersten Jahr

Fazit

Predictive Pricing transformiert Beschaffungsentscheidungen von Bauchgefühl zu datenbasierten Entscheidungen. Mit der richtigen Datenbasis, den richtigen Modellen und den richtigen Prozessen können Unternehmen 5-15% Kosteneinsparung erzielen.

Ihr nächster Schritt:

  1. Daten sammeln: Historische Beschaffungsdaten strukturieren
  2. Pilotprojekt starten: Beginnen Sie mit einer Warengruppe
  3. Erfolg messen: ROI und Genauigkeit tracken

Unterstützung: Solavia Procure bietet Predictive Pricing für Enterprise-Kunden:

  • Datenanalyse: Historische Daten analysieren
  • Modell-Erstellung: Individuelle Prognose-Modelle
  • Integration: Nahtlose Integration in bestehende Systeme

Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.

Quellen:

  • Eigene Forschung und Entwicklung bei Solavia Procure
  • Kabelpreis-Analyse 2025-2026 (4.536 Datenpunkte)
  • Gartner: Predictive Analytics in Procurement

Veröffentlicht: 20. November 2025
Nächste Aktualisierung: Q2 2026
Kontakt: office@solavia-procure.com

Mag. (FH) Florian Neuhuber - Unternehmensberater – Gründer von Solavia Procure

Mag. (FH) Florian Neuhuber

Unternehmensberater – Gründer von Solavia Procure

Über 15 Jahre Erfahrung im strategischen Einkauf bei Siemens, Greiner AG und Croma-Pharma. Spezialist für Verhandlungsstrategien und Angebotsoptimierung. Hat bereits >100 Mio. € Einkaufsvolumen verhandelt und durchschnittlich 18% Ersparnis für Kunden erzielt.

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