Predictive Pricing: Von Bauchgefühl zu datenbasierten Entscheidungen
Traditionelle Preisentscheidungen basieren auf Erfahrung, Intuition und "Bauchgefühl". Predictive Pricing nutzt KI, historische Daten und Marktanalysen, um datenbasierte Preisprognosen zu erstellen – und damit bessere Beschaffungsentscheidungen zu treffen.
In diesem Tech-Deep-Dive zeigen wir, wie Predictive Pricing funktioniert, welche Daten einfließen und wie Prognosen erstellt werden.
Das Problem: Bauchgefühl vs. Daten
Traditionelle Preisentscheidungen
- Basis: Erfahrung, Intuition, "Bauchgefühl"
- Problem: Subjektiv, fehleranfällig, nicht skalierbar
- Beispiel: "Ich denke, der Preis wird steigen" – ohne Datenbasis
Predictive Pricing
- Basis: Historische Daten, Marktanalysen, KI-Modelle
- Vorteil: Objektiv, präzise, skalierbar
- Beispiel: "Basierend auf 25 Jahren Daten: Preis steigt um 2,3% in nächsten 12 Monaten (Konfidenz: 85%)"
Wie funktioniert Predictive Pricing?
1. Datensammlung
Interne Daten:
- Historische Beschaffungspreise (letzte 5-10 Jahre)
- Bedarfsmengen und -frequenzen
- Lieferanten-Performance
- Saisonalität und Trends
Externe Daten:
- Marktpreise (Börsen, Indizes, Marktplätze)
- Wirtschaftsindikatoren (BIP, Inflation, Zinsen)
- Geopolitische Faktoren (Kriege, Handelskonflikte)
- Wetterdaten (für saisonale Warengruppen)
- Rohstoffpreise (für verarbeitete Produkte)
Beispiel: Kabelpreise
- Interne Daten: 4.536 historische Preisdatenpunkte (2001-2025)
- Externe Daten: LME-Preise, Wirtschaftsindikatoren, Geopolitik
- Ergebnis: 12-Monats-Prognose mit Konfidenz-Levels
2. Datenanalyse
Zeitreihenanalyse:
- Trend-Erkennung (steigend, fallend, stabil)
- Saisonalität (jahreszeitliche Muster)
- Volatilität (Preisschwankungen)
- Zyklen (wiederkehrende Muster)
Korrelationsanalyse:
- Welche Faktoren beeinflussen den Preis?
- Wie stark ist der Zusammenhang?
- Welche Faktoren sind am wichtigsten?
Beispiel: Kabelpreise
- Trend: Aufwärtstrend seit 2020 (+68% über 25-Jahres-Durchschnitt)
- Saisonalität: Höhere Preise im Frühjahr (Bau-Saison)
- Korrelation: Kupferpreise (LME) korrelieren zu 0,92 mit Kabelpreisen
- Volatilität: Erhöhte Volatilität in Krisenzeiten
3. Modell-Erstellung
Lineare Regression:
- Einfache Trend-Prognosen
- Geeignet für stabile, lineare Entwicklungen
Zeitreihenmodelle (ARIMA, LSTM):
- Komplexe Muster (Saisonalität, Zyklen)
- Geeignet für volatile, nicht-lineare Entwicklungen
Ensemble-Modelle:
- Kombination mehrerer Modelle
- Höhere Genauigkeit durch Diversifikation
Beispiel: Kabelpreise
- Methode: Lineare Regression über letzte 12 Monate
- Input: Monatliche Durchschnittspreise (Kupfer, Aluminium)
- Output: Prognose für nächste 12 Monate mit Konfidenz-Levels
4. Validierung und Anpassung
Backtesting:
- Modell auf historische Daten anwenden
- Prognose-Genauigkeit messen
- Modelle vergleichen
Kontinuierliche Anpassung:
- Neue Daten fließen ein
- Modelle werden aktualisiert
- Prognosen werden präziser
Beispiel: Kabelpreise
- Backtesting: Modell auf 2020-2024 Daten angewendet
- Genauigkeit: Durchschnittliche Abweichung: ±3%
- Aktualisierung: Wöchentlich mit neuen Marktdaten
Beispiel: Kabelpreis-Prognose 2025-2026
Datenbasis
- 4.536 historische Preisdatenpunkte (2001-2025)
- 25 Jahre kontinuierliche Daten
- Wöchentliche Updates (Meinhart Kabel Österreich)
Analyse
- Trend: Aufwärtstrend seit 2020
- Korrelation: Kupfer 60%, Aluminium 20%
- Volatilität: Erhöht in Krisenzeiten
Prognose
- Q1 2026: +0,6% (Konfidenz: Hoch)
- Q2 2026: +0,6% (Konfidenz: Mittel)
- Q3 2026: +0,6% (Konfidenz: Niedrig)
- Q4 2026: +0,6% (Konfidenz: Niedrig)
Gesamtanstieg 2026: +2,3% gegenüber Dezember 2025
Limitationen und Risiken
1. Datenqualität
- Problem: "Garbage in, garbage out" – schlechte Daten führen zu schlechten Prognosen
- Lösung: Datenqualitätsmanagement, Validierung, Bereinigung
2. Unvorhersehbare Ereignisse
- Problem: Geopolitische Krisen, Naturkatastrophen, Pandemien können Prognosen stark beeinflussen
- Lösung: Szenario-Analysen, Risiko-Bewertung, menschliche Überwachung
3. Modell-Überanpassung
- Problem: Modell passt sich zu stark an historische Daten an → schlechte Prognosen für Zukunft
- Lösung: Cross-Validation, Regularisierung, Ensemble-Modelle
4. Konfidenz-Levels
- Problem: Langfristige Prognosen (7-12 Monate) haben niedrige Konfidenz
- Lösung: Klare Kommunikation von Unsicherheiten, Szenario-Planung
Best Practices
1. Transparenz
- Klare Kommunikation: Wie funktioniert das Modell? Welche Daten fließen ein?
- Limitationen offenlegen: Was kann das Modell nicht? Wo sind Unsicherheiten?
- Nachvollziehbarkeit: Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein
2. Kontinuierliche Verbesserung
- Neue Daten: Regelmäßig neue Daten einfließen lassen
- Modell-Updates: Modelle regelmäßig aktualisieren
- Feedback-Loop: Prognose-Genauigkeit messen und verbessern
3. Mensch bleibt Entscheider
- KI gibt Empfehlungen: Mensch entscheidet
- Übersteuerung möglich: Mensch kann KI-Empfehlungen übersteuern
- Ethik bleibt menschlich: Ethische Entscheidungen können nicht automatisiert werden
ROI von Predictive Pricing
Beispiel: Einsparung durch optimale Beschaffungszeitpunkte
Ein Unternehmen beschafft jährlich 1 Mio. EUR an Materialien:
Ohne Predictive Pricing:
- Beschaffung zu zufälligen Zeitpunkten
- Durchschnittspreis: 100 EUR (Basis)
- Jährliche Kosten: 1.000.000 EUR
Mit Predictive Pricing:
- Beschaffung zu optimalen Zeitpunkten (wenn Preise niedrig sind)
- Durchschnittspreis: 95 EUR (-5%)
- Jährliche Kosten: 950.000 EUR
- Einsparung: 50.000 EUR pro Jahr
ROI: Bei Investition von 20.000 EUR in Predictive Pricing → ROI: 250% im ersten Jahr
Fazit
Predictive Pricing transformiert Beschaffungsentscheidungen von Bauchgefühl zu datenbasierten Entscheidungen. Mit der richtigen Datenbasis, den richtigen Modellen und den richtigen Prozessen können Unternehmen 5-15% Kosteneinsparung erzielen.
Ihr nächster Schritt:
- Daten sammeln: Historische Beschaffungsdaten strukturieren
- Pilotprojekt starten: Beginnen Sie mit einer Warengruppe
- Erfolg messen: ROI und Genauigkeit tracken
Unterstützung: Solavia Procure bietet Predictive Pricing für Enterprise-Kunden:
- Datenanalyse: Historische Daten analysieren
- Modell-Erstellung: Individuelle Prognose-Modelle
- Integration: Nahtlose Integration in bestehende Systeme
Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung.
Quellen:
- Eigene Forschung und Entwicklung bei Solavia Procure
- Kabelpreis-Analyse 2025-2026 (4.536 Datenpunkte)
- Gartner: Predictive Analytics in Procurement
Veröffentlicht: 20. November 2025
Nächste Aktualisierung: Q2 2026
Kontakt: office@solavia-procure.com

Mag. (FH) Florian Neuhuber
Unternehmensberater – Gründer von Solavia Procure
Über 15 Jahre Erfahrung im strategischen Einkauf bei Siemens, Greiner AG und Croma-Pharma. Spezialist für Verhandlungsstrategien und Angebotsoptimierung. Hat bereits >100 Mio. € Einkaufsvolumen verhandelt und durchschnittlich 18% Ersparnis für Kunden erzielt.
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